Rezension: Nur Engel fliegen höher

Wim Westfield

Nur Engel fliegen höher

 

Autor: Wim Westfield · Verlag: be.bra
Genre: Roman · Erschienen: Feb. 2008
Seiten: 256 · Ausgabe: Gebunden

 

Inhalt: Winter 1988 ein Jahr vor dem Fall der Mauer: Die in West-Berlin lebende Amerikanerin Julia McCandle lernt auf der Transitstrecke den Journalisten Jonas Maler kennen. Für beide ist es die große Liebe, doch die Stasi sieht in der Verbindung eine konspirative Verschwörung. Mit allen Mitteln der »Zersetzung« soll verhindert werden, dass Jonas und Julia sich weiterhin treffen: Einschüchterung, offene Beschattung, Reise-und Berufsverbot und nicht zuletzt die Einschaltung des amerikanischen Geheimdienstes machen eine Beziehung über die Grenze hinweg unmöglich. Als Julia, die ein Kind erwartet, nicht mehr in die DDR einreisen darf, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu: Jonas plant die Flucht.

Bewertung 

„Nur Engel fliegen höher“ ist eine bewegende und fesselnde Geschichte, wie sie sich damals kurz vor der Wende tatsächlich abgespielt haben könnte. Es ist ein höchst brisantes, politisches, mir persönlich naheliegendes Thema. Wim Westfield bietet erstaunlich reichlich detailliertes Wissen, wenn es um die Methoden der damaligen Stasi geht, äußerst faszinierend. Obwohl es ein Roman ist, hatte ich eher das Gefühl, einen spannenden Thriller in der Hand zu halten. Mit jedem Satz den ich las, ging ein Schauer durch mich, dass sich mir die Haare aufstellten. Ich saß vertieft und in gespannter Haltung auf meinem Sofa und fieberte einer der schönsten und zugleich traurigsten Liebesgeschichte dem unausweichlichen Ende entgegen.

Erzählt wird von Jonas und seiner Liebe zu Julia, die im West-Berlin lebt. Auf seinem Weg zur Freiheit, um endlich mit Julia zusammen sein zu dürfen, bestreiten sie einen Weg, der schlussendlich nur eine Möglichkeit offen lässt – Flucht! Wir lesen, wie die Stasi damals gearbeitet hat und mit welchen Mitteln sie arbeiteten, um an ihre Ziele zu kommen. Verrat und Observation lauerte hinter jeder Ecke, hinter jedem Busch, und das Wichtigste, traue niemanden! Neben den Einblick der einzelnen Stasiberichte lesen wir von einer dramatischen Liebe zwischen zwei Menschen und ihren Alltagsproblemen. Durch die anschauliche Darstellung konnte ich mich an das damalige Leben in DDR gut rein finden. An manchen Dingen konnte ich mich wage erinnern und dachte: Ja, genau so war das Leben damals!

Die damalige Gegenwart wurde von Autor haargenau beschrieben, womit ihm die realistische Darstellung der DDR sehr gut gelungen ist. Oder anders ausgedrückt, er hat einen sehr lebendigen und packenden Schreibstil, man wird bereits von der ersten Seite an mitgerissen. Beim Lesen empfand ich tiefe Traurigkeit, mein Herz wurde schwer, denn wir alle wissen, was viele Deutsche damals durchlebt haben. Familien wurden auseinander gerissen, Eltern wie Kinder auf offener Straße erschossen, Bürger wurden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten; es kommt einem vor, wie ein böser Traum. Aber es war knallharte Realität! So war es eben nun mal damals! Wim Westfield hat mit „Nur Engel fliegen höher“ ein grandioses Werk herausgegeben, welches ich jedem, der sich für die damalige Zeit interessiert, ans Herz legen kann. Dieser Roman hat mich aufgewühlt, mir Tränen in die Augen gejagt und mich noch lange nach Beendigung beschäftigt. Großartiges Buch, mit einem Thema, was dich gefangen nehmen wird! Ich bin sehr gespannt, was der Autor uns als nächstes präsentieren wird.

Story 5/5   Schreibstil 5/5 

 

Ich danke dem be.bra Verlag für die interessante Reise in die nahe Vergangenheit
mittels dem zur Verfügung gestellten Rezensionsexemplar.

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