Rezension: Karpatensaga

Karpatensaga: In der Ferne

 

Autor: Hans-Dieter Kreuzhof · Verlag: tredition · Genre: Fantasy
Erschienen: Sep. 2015 · Seiten: 376 · Ausgabe: Taschenbuch

 

Inhalt: Baro, ein Mann des Zorns, und sein feinsinniger Bruder Kalo verlassen nach einem gewaltigen Familienstreit ihr Romadorf am Rande der Karpaten. Auf ihren Wegen durch die sagenumwobene Bergwelt treffen sie auf liebeshungrige Frauen, blutgierige Wiedergänger, rachsüchtige Totengeister und handfeste Gegner. Sie stellen sich der Angst, dem Tod – und ihren eigenen Dämonen. Werden sie an ihren Prüfungen zerbrechen oder als gefestigte Männer zurückkehren? Ein mystischer Roman über Ohnmacht und Macht, Angst und Vertrauen, Gewalt und Tod, die Kraft der Liebe – und ein geheimnisvolles Volk.

Bewertung

Das Buch überrascht gleich zu Beginn mit einer liebenswerten, romanischen Familie. Wir werden mitten in ihren Sitten und Gebräuchen hinein katapultiert, erzählt mit viel Geduld und Beharrlichkeit. Der kulturelle Hintergrund wird ebenso beharrlich mit aufgegriffen und hinreichend erklärt, wie die mystische Sagenwelt. Alles schön verpackt in einer abenteuerlichen Geschichte, ziehen zwei Brüder durchs Land, um ihr Glück zu finden. Baro, der älteste Sohn, bricht nach einem Streit mit seiner Familie als erster auf in die Ferne. Er ist sehr kräftig, wird leicht zornig, und hält sonst nicht viel von sich selbst. Er begegnet unterwegs den einflussreichen, sowie trickreichen, Gnom Cosmin, der ihn ein Stück seines Weges begleitet. Durch ihn lernt er seine inneren Werte kennen und merkt kaum, dass er sich bereits verändert hat. Kalo macht es seinem großen Bruder nach und möchte sein Glück ebenfalls in der Ferne finden. Er ist anders als Baro, sehr feinfühlig und zurückhaltend. Seine Schönheit ist ihm manchmal unangenehm, Frauen liegen ihn zu Füßen. Eben das wird ihm zum Verhängnis und ein unvergessliches Abenteuer bescheren. Eines, dass er nicht mehr so schnell vergessen wird. So stellen sich Beide unterschiedlichen Gefahren und wachsen somit über sich selbst hinaus. Und ich denke, dass darauf das Hauptaugenmerk liegt, nämlich zu sich selbst finden und sich zu vertrauen.

Zum Anfang habe ich gut in die Geschichte hinein gefunden. Leicht und problemlos konnte ich folgen. Dann kam ich später an den Punkt, der mein Interesse minderte und mich an einem nochmaligen Abtauchen hinderte. Zum einen, da die Dialoge sehr einfach klangen, und zum anderen, fand ich das fehlende Selbstbewusstsein von Baro irritierend. Er hat sich immerzu selbst als zu nichts nützlich degradiert, obwohl er ein sehr großes Herz hat und viel bewegen konnte. Nur leider hat er dies nicht gesehen. Den Handlungsstrang von Kalo fand ich hingegen um einiges interessanter. Selbstbewusst, klug, aufopfernd, hübsch, alles positive Eigenschaften, die gut in Szene gesetzt wurden. Auf ihren Reisen hören wir oft von ihrem Kummer, wie sehr sie ihre Familie vermissen und jetzt gern bei ihnen sein würden. Diese Verbundenheit steht klar im Vordergrund und wird dementsprechend auch wortreich dargestellt. Ab und an winkt auch der Humor durch, der mir ein kleines Lächeln entlockte. Die geschaffene Welt rund um den Karpaten wurde sehr überzeugend gezeichnet. Ich konnte jedes Blatt und jeden Busch mit meinen eigenen Ohren rascheln hören. Der Duft der Blumen und Pflanzen stieg mir in die Nase; das waren Momente, in denen ich hin und wieder für wenige Augenblicke im Text versank. Der Schreibstil des Autors hat etwas Märchenhaftes an sich. Schöne lange Erklärungen, aber nicht zu träumerisch, machten einen ruhigen Eindruck auf mich. Spannend oder fesselnd fand ich es eher weniger, aber es wirkt etwas belehrend, so in etwa, die wirklich schönen Dinge im Leben schätzen zu wissen. Wer etwas Leichtes und Ruhiges sucht, liegt mit der Karpatensaga richtig.

Story 3/5   Schreibstil 4/5

 

Vielen Dank Hans-Dieter Kreuzhof, für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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