Rezension: Weichenwächter

Weichenwächter

 

Autor: Pierre Marmann

Verlag: Imprimerie Centrale

Genre: Prosa, Roman

Erschienen: 2014

Seiten: 599

Ausgabe: Hardcover

 

Inhalt: Die wahrhaftige Erzählung einer wirklich unwahrscheinlichen Begebenheit … WEICHENWÄCHTER … die zeitentrückte Geschichte scheinbar zusammenhangloser Ereignisse aus Vergangenheit, Gegenwart, näherer und ferner Zukunft im Spiegel der immerwährenden Frage nach dem Ursprung und dem Werden allen Seins …
WEICHENWÄCHTER … der Kreis des Reisens in der Welt der Dinge und in der Welt der Phantasie …
… die Erzählung aus dem Leben dieser Menschen, deren Sein so sonderbar die Sicht der Dinge beseelt und deren Geist so wahr die Wirklichkeit im Spiegel ihrer selbst zerrinnen lässt …
WEICHENWÄCHTER … die Entführung im Zuge der Zeit …
… vom kaiserlichen Hofzug zum Eurocity, die große Reise erlebend, in den großen Weiten dieser Erde wie auch in der endlosen Welt verlorener Erinnerungen geistiger Gefilde …
… denn was ist denn schon gegenwärtige Wirklichkeit des Seins auf der langen Reise seines Werdens? …

Bewertung

„Weichenwächter“ erzählt über ein dystopisches Zusammentreffen zweier alter Freunde im Jahr 2022. Der eine Freund ist ein genialer Psychiater und der andere ein mächtiger Physiker. Beide haben eine Zeitlang zusammen gearbeitet, hatten gemeinsam ein geheimes Projekt, welches sämtliche Dimensionen sprengt. Es gab nie einen Durchbruch, da es Leute gab, die alles daran setzten, es zu verhindern. Aber fangen wir von vorne an. Der Einstieg beginnt mit dem bedeutenden Psychiater Pete McMara, dem Hauptprotagonisten. Er reist seit vielen Jahren durch die Welt, auf der Suche nach seiner Frau Vivian und seinen Kinder Lucy und Nick. Vor zehn Jahren wurden sie einfach aus seinem Leben gerissen, seitdem spurlos verschwunden. Bis er plötzlich einer Frau begegnet, die ihm sagt, er solle seinen alten Freund Archie Miller, dem genialsten Physiker auf der Welt, aufsuchen. Woher sie ihn kennt, ist Pete ein Rätsel. Als die beiden alten Freunde dann endlich aufeinander treffen, beginnt die große Rede. Sie reden über alte Zeiten, wie es „früher“ in unserer Welt ausgesehen hat, von historischen Begebenheiten bis hin zum aktuellen Flüchtlingsstrom, und was sich seitdem verändert hat. Bei diesem Gespräch wird auch so einiges offenbart, was dem klugen Psychiater in diesem Ausmaß nicht bewusst war. Er wird stutzig und reimt sich da einiges zusammen. Da wir als Leser in seinem Kopf stecken, werden wir Zeuge seiner ziemlich verwirrenden Gedankenwelt. Am Ende treffen alle „Fäden“ aufeinander und unser lieber Pete kommt endlich am Ziel seiner langen Reise an.

Gleich vorweg. Pierre Marmann’s Debüt enthält extrem viele spezifische Abhandlungen auf dem Gebiet der Psychologie und Physik, wovon ich aufgrund dessen, etwa der Hälfte nicht folgen konnte. Trotz dieser Tatsache, bin ich dennoch gut vorangekommen. Es liest sich auch nicht wie ein Roman, vielmehr wie eine Dokumentation über einen Mann, der auf der Suche seines Seins ist. Hauptsächlich dreht sich alles um Pete, deshalb haben wir auch ein klares Bild von ihm, wenn auch anfangs etwas verwirrend. Er ist stark, intelligent und liebt und vermisst seine Familie über alles. Ihr verschwinden hat ihm hart zugesetzt und sein Leben wird nur noch von einem Gedanken beherrscht  – sie zu finden. Seine Gedanken und Eindrücke werden äußerst detailrecht erläutert, als stehe man direkt neben ihn und unterhält sich. Letztendlich hat mich der nahe Bezug zu Pete ständig zum Weiterlesen bewegt, da manche Absätze doch recht schwierig zu verstehen waren. Aber dann kommt auch wieder der Punkt, wo es spannend und düster wird, und man unbedingt wissen will, wie es denn nun ausgeht. Archie ist ebenso geheimnisvoll und scheint zudem unheimlich viel zu wissen. Er ist eine Schlüsselfigur, er bringt seinen Freund Pete in die richtigen Sphären. Bei ihm hatte ich noch mehr das Gefühl, meine Verwirrung wäre nun komplett. Erst am Ende wurde mir so richtig bewusst, wie verwoben und verstrickt die Schicksale der Figuren über die Zeit hinaus miteinander waren und habe sogar einige Stellen nochmal nach gelesen. Absolut faszinierend fand ich die uneingeschränkte Kontrolle jeglicher technischer Informationsflüsse in Pierre Marmann´s Zukunft … In der heutigen Zeit sind wir gar nicht so weit davon entfernt, und das ist furchtbar erschreckend!

„Weichenwächter“ ist ein Werk, welches ich sehr anspruchsvoll fand und wie ich feststelle, auch etwas beeinflussend. So leicht kam ich von dieser Geschichte nicht los. Pierre Marmann schafft es trotz einiger „unverständlicher“ Textpassagen den Leser zu fesseln und ihn an sich zu binden. Er hat so seine Kniffe und Tricks, um den Leser immer wieder zu begeistern. Auch wenn es kein Roman im klassischen Stil ist, so fand ich es dennoch unglaublich tiefsinnig und interessant. Daher bewerte ich diesmal kein Fantasyroman oder einen Thriller, wie ich es sonst tue. Für alle, die mal etwas tiefer in andere Dimensionen vordringen möchten und auch mal etwas „anderes“ lesen möchten, dem sei dieses Buch empfohlen. Von Anfang an wurde ich hierbei mehr gefordert als sonst, und das hat mir echt Spaß gemacht. Pierre Marmann, ich hoffe bald mal wieder etwas von dir zu lesen. ;-)

Story 5/5 Schreibstil 4/5

Pierre Marmann, recht herzlichen Dank für dein Rezensionsexemplar.

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