Sam Feuerbach

Mein erstes Interview! Ich war soooo aufgeregt und nun ist es endlich fertig, freu mich wie ein Kullerkeks. Sein Debütroman „Die Krosann-Saga“ ist ein großer Erfolg, sein Schreibstil humoristisch bis fabelhaft. Wer seine Bücher noch nicht kennt, dann wird es aber höchste Zeit.
Und nun: Bühne frei für Sam Feuerbach!

 

Lieber Sam, ich freue mich, Dich interviewen zu dürfen. Bitte stell Dich kurz vor. Wer ist Sam Feuerbach?

Liebe Liljanas, ich freue mich, Deine Fragen zu beantworten.

Nüchtern analysiert ist Sam Feuerbach ein Indie-Autor – also ein Self-Publisher, ein Autor ohne Verlag, der sich um Veröffentlichung, Lektorat, Korrektorat, Marketing, Cover usw. selbst kümmert. Darüber hinaus ist Sam die pure Lust am Schreiben, eine spaßerfüllte Tintenfeder, klecksend, kratzend, streichelnd und gelegentlich piksend.

Deine Charaktere sind unverwechselbar. Mal ehrlich Sam, haben sie Ähnlichkeiten mit Leuten die Du kennst?

Solche schrägen Vögel kenne ich im wahren Leben nicht. Bewusst wollte ich mich nicht der gängigen Heldenretorte bedienen – also begann ich mit dem dicken, jugendlichen Prinzen Karek, der zunächst nur von einer Mahlzeit zur nächsten stolpert. Kämpfen kann er nicht, stark ist er auch nicht – das Kerlchen denkt jedoch schnell, modern und liberal und das im Mittelalter. Genau richtig für eine steile Karriere als Ketzer. Die Krähe Nika agiert selbstzerstörerisch zerstörerisch und führt das Frauenbild jener Zeit ad absurdum.

Dein Debütroman der Krosann-Saga „Die Auftragsmörderin“ hat mittlerweile auf Amazon über 250 positive Bewertungen. Wie kam es zu der Idee dieser Reihe?

Seit meiner Jugend lese ich hauptsächlich Fantasy-Bücher. Vor zwei Jahren habe ich beschlossen, selbst eins zu schreiben – über eine magische Sanduhr. Ohne detailliert zu planen (oder besser: zu plotten), schrieb ich drauf los. Nach 400 Seiten war die Geschichte von der Sanduhr immer noch so weit entfernt wie Karek von seiner Traumfigur. Hm, es musste halt noch ein Buch her. 400 Seiten später stellte ich den 2. Band „Der Schwertmeister“ fertig. Hm, darin immer noch nichts von einer Sanduhr. Also, dachte ich: Nenne den dritten Teil der Krosann-Saga „Die Sanduhr“ – als Erinnerungshilfe. Und tatsächlich – dort spielt endlich die Sanduhr eine Rolle.
Später habe ich dann gelernt, dass ich dem Autorentyp ‚Discovery Writer‘ zugeordnet werden muss, da ich einfach drauf losschreibe und meine Charaktere recht ungeplant leben und erleben lasse.

Sam, wie alt bist Du und wann hast Du mit der Krosann-Saga begonnen?

Ich bin 53 Jahre alt und habe vor zwei Jahren, Mitte 2013, mit dem ersten Buch „Die Auftragsmörderin“ begonnen. Bevor ich es im Mai 2014 veröffentlicht habe, hatte ich den zweiten Band auch schon fast fertig.

An welchem Buch schreibst Du gerade? Dürfen wir uns auf mehr Abenteuer mit „Karek und Nika“ freuen?

Die Krosann-Saga setze ich mit dem Band „Der Seelenspeer“ nahtlos fort. Die ersten zehn Kapitel sind bereits geschrieben und das Buch wird Anfang November erscheinen.
Für Mitte 2016 ist das sechste und letzte Buch der Krosann-Saga geplant.

Vorher aber noch, am 7. August, erscheint „EchtzeiT – Leid kennt keinen Sonntag“. Mit diesem aktuellsten Werk wagen mein Freund Thariot und ich einen Abstecher ins Thriller-Genre.

Du schreibst Fantasy. Was liest Du am liebsten? Gibt es Bücher, die bei Dir einen starken Eindruck hinterlassen haben?

Ich liebe die ersten fünf Dämonen-Bücher von Robert Asprin. Er hat es geschafft, eine Fantasy-Welt mit dichten Charakteren mit dem Humor zu versehen, den ich mag (oder verstehe). Auch Abercrombie, R.R. Martin, Goodkind und Jordan haben mich beeindruckt.

Wann und wie hast Du festgestellt, dass Du ein Autor werden willst?

Viele Jahre habe ich entweder Fantasy gelesen oder am PC gespielt (Ultima, DAOC, WoW etc.), mich demnach stets so lenken lassen, wie die Autoren/Programmierer es vorgesehen hatten. Eines Tages dachte ich mir, brich doch mal aus, übernehme selbst das Steuer, erschaffe deine eigene Welt mit eigenen Charakteren.

Was machst Du Hauptberuflich? Wie bringst Du Arbeit, Familie und Schreiben in Einklang?

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich als Berater in der Datenverarbeitung. Allzu viel Fantasy ist hierbei nicht gefragt – es geht um Ist-Aufnahmen, Anforderungsanalysen und Konzepte.
Meine Fantasy-Geschichten bieten eine optimale Abwechslung zur Sachlichkeit der Datenverarbeitung. Die ganze Familie hilft beim Selfpublishing mit. Ein Sohn zeichnet die Landkarten, der andere kümmert sich um die Homepage, die Tochter designt die Cover und meine Frau unterstützt in allen Themen.

Hast Du einen guten Ratschlag, den Du unbedingt jedem Indie-Autor mit auf dem Weg geben möchtest?

Der Anspruch, ich will Autor sein und davon leben können, birgt ein enormes Risiko. Eine Portion Gelassenheit beim Schreiben erscheint mir wichtig und die erzeugt ein Einsteiger mit dieser Einstellung kaum. Schreibe für dich, doch im Gegensatz zu einem Tagebuch immer im Bewusstsein, auch anderen Menschen eine Chance zu geben, deine Texte zu lesen, zu verstehen und zu mögen.

Eine letzte Frage noch. Was fasziniert Dich am Schreiben?

Die Autorentätigkeit betrachte ich als Hobby und als Entspannung. Das verschafft mir die Freiheit, so zu schreiben, wie der Krähe der Schnabel gewachsen ist. Es ist ungeheuer aufregend: Du sitzt vor einem leeren Blatt Papier, das es zu füllen gilt. Ein paar Buchstaben später kannst du fliegen, leiden, reisen, brüllen, kämpfen, weinen und lachen – es gibt keinerlei Grenzen. Und es geht noch mehr: Mein Sohn hat mir im Alter von 4 Jahren gezeigt, dass nicht einmal die Ränder des Papierblattes dich einschränken. Sieh Dir an, was er damals gemalt hat:

 

 

 

 

 

Ständig wurde er gefragt, was das denn über dem Drachen sei? Und völlig entrüstet antwortete er: »Das ist der Drache. Der Schwanz.«

 

Ich danke herzlichst für die bezaubernden und ausführlichen Antworten.
Und ein Extra-Danke für das niedliche Bild.

Berlin, 24.07.2015